Logistikkonzept der WMG Wald-Marketing GmbH
1. Einführung
Die Gründung der WMG Wald-Marketing GmbH im Jahre 1992 entsprach dem Wesen nach einem Outsourcing von
Geschäftsbereichen, indem die beteiligten Gesellschafter ihre Maschinenparks in eine eigene
Gesellschaft auslagerten, die sich anfangs ausschliesslich mit dem Forstmaschineneinsatz beschäftigte.
1999 wurde die Erbringung von Logistikdienstleistungen als weiterer Unternehmensschwerpunkt
formuliert. Mit der dadurch erreichten Bündelung von Kompetenzen und der Konzentration
auf ein Kerngeschäft wurde es möglich, ein beträchtliches Know-how im Bereich Logistik zu sammeln;
die WMG ist heute Maßstab für viele Entwicklungen bei der Betreuung des Kleinprivatwaldes und der
Steigerung der Wertschöpfung für den Waldbesitz.
Die WMG ist dennoch kein normales Wirtschaftsunternehmen, sondern eine forstwirtschaftliche
Vereinigung im Sinne des Bundeswaldgesetzes. Alleinige Gesellschafterin ist die FVL, die mit der Waldfläche ihrer Gesellschafter (7 FBG´n) ein bedeutendes
Rohstoffpotential vereinigt. Die WMG hat eine dienende Funktion für ihre Gesellschafterin und
die angeschlossenen Waldbesitzer.
2. Beschreibung des Konzeptes
"Logistik" verstehen wir als die planerischen und ausführenden Maßnahmen und Instrumente zur
Gewährleistung eines optimalen Material-, Wert- und Informationsflusses im Rahmen
der betrieblichen Leistungserstellung, wobei sich diese von der Beschaffung von
Produktionsfaktoren und Informationen über deren Bearbeitung und Weiterleitung bis zur
Distribution der erstellten Leistung erstreckt. Logistik zu praktizieren bedeutet für uns aber
nicht, eine Reihe von Maßnahmen und Instrumenten einfach nur aneinander zu reihen, sondern ein
Konzept zu entwickeln, das die Logistik als eigene betriebliche Funktion etabliert.
Für unsere industriellen Kunden bedeutet unsere Logistik daher die Bereitstellung von Rundholz
in Einheiten, die sich in zeitlicher, qualitativer und mengenmäßiger Hinsicht an ihren
Bedürfnissen orientieren.
2.1. Schnittstellen innerhalb der Logistikkette
Logistik ist gemäß der o.g. Definition ein kontinuierlicher Prozess, der zwar keinen Anfang
und kein Ende aufweist, dessen Initiierung jedoch auf die Formulierung einer Holznachfrage durch
die Holzindustrie zurückgeführt werden soll. Die für die Erbringung der Dienstleistung
notwendigen Prozesse innerhalb der WMG erstrecken sich danach auf alle forstlichen und
kaufmännischen Aktivitäten von der Hiebsplanung (einschließlich Auftragsakquisition) über
- Hiebsvorbereitung (Auszeichnen, Bestimmung des Sorten- und Massenanfalls),
- Erstellung von spezifischen Arbeitsaufträgen,
- Überwachung und Durchführung des Holzeinschlags sowie der Rückung,
- Abfuhrplanung, Holzabfuhr und Bereitstellung des Rundholzes im aufnehmenden Werk nach einem Lieferplan,
- Werksvermessung und Akzeptanz des Werksmaßes als Abrechungsgrundlage,
- Bereitstellung von Informationen über das zu liefernde Holz (ggf. Vermessungsdaten,
Polterinformationen),
- interne Verarbeitung von Daten aus der Werksvermessung bis zur
- Veranlassung und Überwachung von Zahlungsströmen.
Folglich wirkt ein großer Kreis von Beteiligten auch ausserhalb der WMG an der Logistik mit:
- die Waldbesitzer, die durch eine flexible Bereitstellung von Waldflächen beziehungsweise
durch ihre Auftragserteilung den kontinuierlichen Warenfluss ermöglichen;
- die Bezirksförster der Landwirtschaftskammer, die im Beratungsgespräch Aufträge einwerben, die Waldflächen vorbereiten
und nach dem Hieb Holzlisten erstellen;
- der Maschineneinsatzleiter, der Holzernte und Holzrückung, Trailerbereitstellung, die Abfuhr des
Rundholzes sowie die Einhaltung der Arbeitsaufträge überwacht;
- die Holzeinkäufer der Holzindustrie, die die Informationsgestellung und -verarbeitung auf
Seiten der Holzindustrie steuern und die werkseitige Übernahme des Holzes vorbereiten;
- die Leiter der Forstämter, die die Bezirksförster führen und den
Abschluss von Holzkaufverträgen mit der Holzindustrie begleiten;
- die Geschäftsstelle des Verbundsystems aus FVL Forstwirtschaftliche Vereinigung Lüneburg und WMG, die mit
Forst- und Finanzbuchhaltung Waren- und Geldströme überwacht und verbucht;
- die Geschäftsführung der WMG, die den Informations- und Warenfluss an den Schnittstellen
koordiniert und die Prozesse entlang der Logistikkette als ein "perpetuum mobile" steuert.
2.2. Praktische Umsetzung
Die Steuerung der Einzelprozesse entlang der Logistikkette mit dem Ziel, Logistik effizient
zu praktizieren, setzt unter anderem eine umfassende Planung, eine zentrale Disposition sowie
die Anwendung moderner Informationstechnologien voraus.
Grundstein der Planungsarbeiten ist die
Akquisition von Holzernte-Aufträgen, d.h. Auftragsannahme durch die Bezirksförster. Die
Einzelaufträge werden je Forstort oder gemarkungsweise zu Arbeitsblöcken zusammengefasst und in Karten dargestellt. Es findet in
der Geschäftsstelle unter Berücksichtigung bestehender Holzkaufverträge eine zeitliche,
räumliche und sortimentsbezogene Reihung der gemeldeten Blöcke zu einem Einsatzplan für die
zentral zu disponierenden Harvester beziehungsweise Unternehmer statt.
Dieser Einsatzplan wird anschließend wieder auf einzelne Arbeitsaufträge heruntergebrochen,
die den Fahrern übermittelt werden. Abstimmungsbedarf besteht ferner zum Produktionsfortschritt
im aufnehmenden Werk, damit die richtigen Sortimente zur richtigen Zeit bereitgestellt werden
können.
Die Notwendigkeit zur zentralen Disposition beziehungsweise Koordination sämtlicher Prozesse
entlang der Holzernte- und Logistikkette ergibt sich vor allem aus dem Bestreben, Schnittstellen und
damit Effizienzverluste zu reduzieren sowie aus
- der Selbstverpflichtung des Verbundsystems zur bedarfsgerechten Belieferung der Holzindustrie;
- der zumeist direkten Verladung gerückter Holzmengen auf
Sattelauflieger mit den notwendigen Dispositionsleistungen bei der Trailerbereitstellung;
- der üblichen Größe von Arbeitsblöcken von etwa 20-40 ha je Bezirksförsterei, die eine
Maschine nur maximal 4 Wochen beschäftigen.
- Die zentrale Disposition der im Bereich der FVL tätigen Harvester und Unternehmer bietet
für diese zudem den Vorteil einer planbaren Auslastung sowie einer Beschäftigungsgarantie für
den vereinbarten Dispositionszeitraum.
- Für das Verbundsystem stehen im Gegenzug Aufarbeitungs-, Rücke- und evtl.
Transportkapazitäten zur Verfügung, die den notwendigen Warenfluss für einen
Dispositionszeitraum sicherstellen.
Moderne Informationstechnologie stellt letztlich ein Hilfsmittel dar, um die vielfältigen
Aufgaben und Einzeltätigkeiten bei der Erbringung der Logistik-Dienstleistung zu vereinfachen
beziehungsweise zu unterstützen. Die WMG hat diesbezüglich viel Entwicklungsarbeit geleistet,
neue Softwaresysteme getestet und hilfreiche Lösungen eingeführt. Nachfolgend soll ein
Einblick hierüber gegeben werden.
- Die Planungsarbeiten werden durch das digitale Kartenwerk aus der Forsteinrichtung und den
Austausch von raumbezogenen Daten (Koordinaten, Flächeninformationen) per eMail unterstützt
(Beispiel: Softwaresystem WaldKat).
- Der WMG-Harvester ist technisch in der Lage, per eMail Arbeitsaufträge zu empfangen, die auf dem
Bordcomputer in Verbindung mit digitalen Karten dargestellt werden. Dadurch könnte eine nähere
Einweisung der Fahrer in die Örtlichkeiten entfallen. Hier hat sich allerdings gezeigt, dass die persönliche Einweisung
vor Ort nicht zu ersetzen ist.
- Der Bordcomputer leistungsfähiger Harvester liefert in seinen Produktionsprotokollen Daten
über aufgearbeitete Holzmengen und Sortenverteilungen. Die Produktions- wie auch die Arbeitszeit-Daten werden vom Harvester direkt in die Maschinenbuchführung übernommen und
bilden zugleich die Grundlage für Fahrerverlohnung und Controlling.
- Bei der WMG waren darüber hinaus Datenverarbeitungssysteme in der Erprobung, mit deren Hilfe
der Rückezugfahrer Polterinformationen mit GPS-Unterstützung automatisch erhebt. Per eMail
wurden diese Informationen an den mit der Abfuhr beauftragten Fuhrmann übermittelt.
Dieser wurde damit befähigt, die Polter beziehungsweise Trailerstellplätze eigenständig zu finden. Für das praktizierte
Trailersystem (Direktbeladung) hat dieses Vorgehen allerdings keine Bedeutung.